Baugeschichte

Zur Lage des Gebäudes: Geschichte als Baugrund

Auf die geschichtliche Bedeutung des Baugrundes wurde bereits hingewiesen. Lage und Grundrißgestalt des Heylshofes sind von ihm und dem geschichtlichen Potential der Umgebung spürbar geprägt.

Der Heylshof im 19. Jahrhundert (Zeichnung des Architekten)
Der Heylshof im 19. Jahrhundert (Zeichnung des Architekten)

Die Familie Heyl kam 1805 in den Besitz des ehemals fürstbischöflichen Gartens nördlich des Domes. Das Gelände wird an der Westseite von den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer begrenzt. An dieser Stelle stand die 1719-1725 unter Beteiligung Balthasar Neumanns erbaute, 1794 bereits wieder zerstörte fürstbischöfliche Residenz. Ein langgestreckter Bau mit Seitenflügeln, dessen Mittelrisalit in Richtung des Schloßplatzes wies. Laut einer Tagebucheintragung Adrienne von Deichmanns, geb. Heyl, sind dabei Reste von alten Unterkellerungen teilweise in die des Heylshofes miteinbezogen worden; besonders hinzuweisen ist hier auf den sog. "Bischofskeller", den vollständig erhaltenen Kellerraum der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz - ein tonnengewölbter Saal von gewaltigen Dimensionen (40 m lang, 6 m hoch), der vom Heylshof aus zugänglich ist und sich unter dem Garten befindet. Im Süden grenzt das Gelände an die Mauer des Dombezirks, während an der Ostseite das schon erwähnte, ursprünglich dreigeschossige Schlößchen den Abschluß des Heylschen Gartens zum Stadtkern gibt. Die nördliche Begrenzung bildet eine heute um 1,50 m abgetragene und zurückversetzte Mauer zur Stephansgasse. Sie besteht aus rotem Sandstein, dem gleichen Material wie das Erdgeschoß des Heylshofes, ist mit Obelisken verziert und gleicht den Niveauunterschied vom Gartengelände zur Stephansgasse aus. Der Heylshof wurde in der nordwestlichen Ecke des Areals errichtet, seine Grundrißdisposition nimmt die vorhandenen Begrenzungslinien auf und bindet sie akzentuierend an den Neubau.

GrundrissDer ungewöhnlich komplexe symmetrische Grundriß des Hauses entwickelt sich aus einem quadratischen Mitteltrakt. Dieser ist diagonal in die Begrenzungslinien von Stephansgasse und Stadtmauer mit der davorgelegenen Grünzone der Bismarckanlagen eingestellt. An den Mitteltrakt schließen sich links und rechts im Winkel von 135 Grad zwei Vorbauten an. Ihre Stirnseiten stehen parallel zu den etwas zurückversetzten Seitenflächen der größeren Seitenflügel und fluchten mit Stephansgasse und Stadtmauer. Durch die Vorbauten ergibt sich eine konkav eingezogene, durch einen vorspringenden Mittelrisalit zur Mitte hin gesteigerte Fassade auf der Stadtseite. An der Gartenfront wird der Mitteltrakt, der hier vom halbrund ausgebauten Saal dominiert wird, durch die beiden Seitenflügel eingefaßt. Dadurch wiederholt sich die Form der Straßenfassade. Auf Grund der Schrägstellung des Baukörpers entsteht ein dreiecksförmiger Vorplatz, der dem aus der Tradition des Schloßbaus bekannten Ehrenhof vergleichbar ist. Die Grundrißabwicklung und die später zu beschreibende Fassadengestaltung knüpfen mit zahlreichen Motiven an Formen aristokratischer Schloßbaukunst beziehungsweise feudaler Palaisbauten an. Auch das reich ornamentierte Einfassungsgitter des Vorplatzes, welches heute auf Grund der Verbreiterung der Stephansgasse näher an das Gebäude gerückt ist, diente der bedeutungssteigernden Architekturinszenierung. Es wurde 1884 von dem Münchener Hofschlosser Bussmann angefertigt.

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