Von 18. Juli bis 27. September 2020 präsentiert das Museum Heylshof als Sonderausstellung den Zyklus „Elegy for Syria“ von Jörg Madlener, der sich künstlerisch mit der anhaltend desaströsen Lage in Syrien auseinandersetzt.

Nach dem humanistischen Gymnasium in Kempten (Allgäu) studierte Jörg Madlener Architektur an der TU Darmstadt, Kunst an der Städelschule bei Prof. Heinz Battke und Philosophie als Auditor bei Theodor Adorno und Max Horkheimer an der Universität in Frankfurt sowie Kunst am Nationaal Hoger Instituut voor Schone Kunsten in Antwerpen bei Prof. Jos Hendricks. Er war über vier Monate am Bodensee Privatschüler von Otto Dix.

Madlener erwarb 1963 die belgische Staatsbürgerschaft und präsentierte 1981 und 1983 sein Wahlland Belgien auf den Biennalen in Venedig und in São Paulo.

Seine Werke befinden sich in verschiedenen Museen, darunter im Solomon R. Guggenheim Museum in New York, in der Albertina in Wien, im Musée d’Art Moderne in Brüssel, dem Museum La Boverie in Lüttich, dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München. Öffentliche und private Sammlungen in Belgien, Luxemburg, der Schweiz, den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, den Vereinigten Staaten und in den Vereinigten Arabischen Emiraten besitzen seine Werke. Als Bühnenbildner für Oper und Theater arbeitete er für Produktionen in Belgien, Holland, Deutschland und den USA.

Madlener hat an Kunstschulen und Universitäten in Deutschland und Belgien sowie privat in Norditalien, Abu Dhabi und in den USA unterrichtet. 2019 wurden seine jüngsten Arbeiten Elegy for Syria über die Tragödie in Syrien und andere kriegsrelevante Serien im Patio der ehemaligen Königlichen Ställe in Brüssel (Königliche Akademie der Wissenschaften, Literatur und der Bildenden Künste Belgiens) und Sandstorm the first five days of the war – 2003 im Bioenergiepark Saerbeck in einem mit Sonnenenergie umgestalteten Bunker des Kalten Krieges ausgestellt.

Die Frau ohne Schatten, the Jordanian woman, Porträts von Suhair Fakhoury, Schülerin von Jörg Madlener in Abu Dhabi, waren im November und Dezember in der Art Gallery Neversink Up state New York zu sehen.

Von Juli bis Ende September 2020 bringt das Museum Heylshof in Worms den Zyklus Elegy for Syria und The Rukban Woman – die Fotografie einer Mutter aus dem Lager Rukban in Syrien waren der Anlass – zur Ausstellung. Das Museum der Stadt Worms im Andreasstift wird Crucifixion und Pietà im November zeigen. Die Ausstellung Dying Lion Nineveh 645 BC ist in der virtuellen Artcadia Gallery geplant.

Ein Aufschrei durchzieht die Bilder von Jörg Madlener, wirbelt die Farben auf und stiftet ein „dionysisches“ Chaos wie am Ursprung der Schöpfung. Was zunächst wie ein Zerstörungswerk anmutet, beinhaltet das Potential zu einer neuen Ordnung und Harmonie. Aber die Bilder bleiben bewusst prekär wie das Leben selbst. Auf der Ebene der Motivwahl sind die jüngsten Werke bestimmt von der Auseinandersetzung mit der Thematik von Krieg und Konflikt. Vorherrschend sind die Traumata des Irak-Krieges und die Tragik der anhaltenden Kämpfe in Syrien, denen Jörg Madlener schockierend ästhetische, verstörend schöne Werkserien gewidmet hat. Aus der schöpferischen Auseinandersetzung mit den vordringlichsten Herausforderungen unserer Gegenwart und der Weltpolitik sind Werke von eigener ästhetischer Geltung hervorgegangen.

Der Betrachter wird zum Zeugen des Ringens des Künstlers nicht nur um eine vertretbare humanitäre und gesellschaftspolitische Position, sondern überdies auch um die jeweils gültige Bildgestalt. Das produktive Spannungsmoment der Arbeiten ist nicht nur ein prägendes Thema (Krieg, Kampf und Leid), sondern hat unmittelbar Eingang gefunden in die künstlerische Gestaltungsweise selbst: Die Polaritäten sind spannungsvoll in der Schwebe gehalten zwischen Figur und Grund, bestimmen die Relation von Umrisszeichnung und Farbe und sie entstehen zwischen Figuration und Abstraktion. Die von Auflösung bedrohten Gesichter und Gesichte (Visionen) der Seherin Kassandra bilden eine weitere faszinierende Werkgruppe und spiegeln die Haltung eines jeden engagierten Künstlers zwischen Beobachtung und Analyse der Welt und gleichzeitiger Selbstreflexion wider. Jörg Madleners Malerei ließe sich etwa mit der souveränen Arbeitsweise eines Francis Bacon oder Cy Twombly vergleichen. Die meist großen Formate saugen die Betrachter ein in ihre Farbräume und sorgen dafür, dass wir uns ihrem Darstellungsgehalt nicht ohne Weiteres entziehen können und wollen. In der einzigartigen Umgebung des Brüsseler Akademiegebäudes entfalten sie in ihrem Zusammenspiel eine berückende Gesamtwirkung.

Dr. Olaf Mückain, Wissenschaftlicher Leiter der Museen Worms

Vortrag und Q&A
Freitag 28. August um 18:30 Uhr, Museum Heylshof

Jörg Madlener
Der hässliche Krieg und das schöne Bild – Gewalt und Brutalität in der Malerei

28. August bis 5. September
Der Künstler ist an diesen Tagen anwesend und steht für Fragen
zur Verfügung.