Sonderausstellung 29. Juli bis 24. September 2017

Fabian Seyd: »Siegfried«
Fabian Seyd: »Siegfried«

Die Sammlung Paschertz ist eine private Kunstsammlung, die sich auf junge Positionen figurativer Malerei und Collage fokussiert. Christian Paschertz wurde durch die Kunst von Fabian Seyd zu seiner Sammelleidenschaft inspiriert und fördert seitdem in der Tradition des klassischen Mäzenatentums junge, vielversprechende Malerinnen und Maler.

Die Entscheidung des Museums Heylshof, ab dem 29. Juli 2017 einem jungen Sammler Präsentationsfläche zu bieten, ergänzt dabei den Ansatz von Christian Paschertz, gezielt junge Kunst zu unterstützen. Der Titel der Ausstellung, „AKKU“, möchte dabei auf die Kunst als Energiespeicher und -lieferant zugleich verweisen.

Ein zentrales Konvolut der Sammlung bilden die Werke von Fabian Seyd (*1979). Der in Berlin ansässige Künstler ist in der Sammlung Paschertz medienübergreifend mit Malerei, Collage und Skulptur vertreten. Die Kunst von Fabian Seyd erkundet Schnittstellen; zwischen klarem Naturalismus und abstrakten Interventionen verbindet er technische Perfektion und den rigorosen Bruch mit ihr. So entwickeln sich verrätselte Motive, die ihre Intensität aus Referenzwerten in Kunstgeschichte, Geschichte und Fotografie generieren, die von Seyd in neue Bezüge transferiert werden. Seine Werkgruppen sind thematisch heterogen; beispielsweise scheinen sie die kolonialistische Expedition in eine entlegene, tropische Region zu dokumentieren oder er transponiert mittels Paraphrasen alter Meister Bildformeln der frühen Neuzeit in seine eigene Bildsprache. Seit 2016 beschäftigt Fabian Seyd sich verstärkt mit dem Themenkomplex des häuslichen Umfelds, den zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb dieser Grenzen, die sowohl Geborgenheit als auch Enge evozieren können und so auf ähnlich utopische Paradiese rekurrieren wie der Kolonialismus.

Der belgische Maler Pieter-Jan Martyn (*1985) ist in der Sammlung vor allem mit seinen Frauenporträts vertreten.Die häufig an ältere Fotografien erinnernde Ästhetik seiner Arbeiten, naturalistisch und zugleich hinter einem Schleier monochromer Lasuren zurücktretend, steht in der Tradition wichtiger zeitgenössischer Maler Belgiens wie Michael Borremans oder Luy Tuymans. Das Personal seiner Motive scheint wie eine Überblendung aus konkretem Modell (die Gemälde in der Sammlung Paschertz haben oftmals die Frau des Malers, Laura, als Vorbild), historischer Folie und von dem Künstler politisch oder philosophisch aufgeladener Bildebenen.

Eine weitere Werkgruppe der Sammlung bilden Gemälde von Inna Artemova. Die russische Malerin, die in Moskau Architektur studierte, lebt seit 1998 in Berlin. Ihre Ölgemälde mischen einen zeichnerischen, nahezu grafischen Duktus mit abstrakt-pastosen Interventionen. So kreiert sie Bildräume, die in ihrer Wirklichkeitsnähe teils an Fotografie erinnern, und doch zugleich mit diesem Eindruck brechen aufgrund der surreal anmutenden Motive. Leuchtende Farbpaletten verwebt Inna Artemova zu monochromen Kompositionen, deren Protagonisten nicht nur ihren Blick vom Rezipienten abwenden, sondern auch in sich geschlossen eine Bildwelt bewohnen, sie sich dem Betrachter nie vollständig öffnet. Nicht umsonst äußert die Künstlerin sich dezidiert nie zu der Narration ihrer Werke, deren vertraute Wirkung bei genauerer Betrachtung völliger Verrätselung weicht.

Ein wichtiges Gegengewicht zu der äußerst heterogenen und doch im Detail stark naturalistischen Malerei von Seyd, Martyn und Artemova bildet das Œuvre von Fritz Bornstück (*1982). Sie scheint wie eine Hommage an die Stilllebenmalerei: Gegenstände des täglichen Lebens überführt er mit „Öl und Pigmenten auf Leinwandcollage“ in Bildräume, er collagiert Textilien, gefundene Kunststoffgegenstände oder Fragmente von Zeitungen auch direkt auf die Leinwand, wo sie in die pastosen Schichten der Ölfarbe integriert und ihr eigenes Malmaterial werden. Die Objekte verweisen auf sich selbst und zugleich weit über sich hinaus. Der Künstler bezeichnete seine Kunst mal als „Underwater-Outerspace-Trash-Romantik“. Darin wird ein zentraler Aspekt deutlich: Seine oft in die Ferne geöffneten Bildräume changieren zwischen farbenprächtiger Dämmerung auf hoher See und unbelebt grauen Flächen vor schwarzem Himmel, eine Landschaft wie auf dem Mond, die zugleich an romantische Nachtstücke erinnert. Die bekannten Dinge, zu unbekannten Figuren assembliert, wirken darin wie Stellvertreter unserer Kultur in lebensfeindlicher, tragikomischer Umgebung. Sie werden dekontextualisiert, verweisen noch auf den Menschen, der hier aber entbehrlich scheint, nahezu evolutiv überholt.

Dieser Spannungsbogen wird nun im Museum Heylshof präsentiert: Kernstücke der Sammlung Paschertz machen zentrale Tendenzen kontemporärer figurativer Malerei erfahrbar in stilistischen wie motivischen Querverweisen und Kontrasten.

Text: Ninja Elisa Felske M.A.