Springe zum Inhalt

Jörg Madlener: Elegy for Syria

Von 18. Juli bis 27. September 2020 präsentiert das Museum Heylshof als Sonderausstellung den Zyklus „Elegy for Syria“ von Jörg Madlener, der sich künstlerisch mit der anhaltend desaströsen Lage in Syrien auseinandersetzt.

Jörg Madlener, Wahlbelgier und ehemaliger Otto-Dix-Schüler, studierte Kunst an der Städelschule bei Prof. Heinz Battke und am Nationaal Hoger Instituut voor Schone Kunsten in Antwerpen bei Prof. Jos Hendricks sowie Philosophie als Auditor bei Theodor Adorno und Max Horkheimer an der Universität in Frankfurt. Seine Werke befinden sich unter anderem im Solomon R. Guggenheim Museum in New York, in der Albertina in Wien, im Musée d'Art Moderne in Brüssel, im Museum La Boverie in Lüttich, im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt und in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung in München.

Ein Aufschrei durchzieht die Bilder von Jörg Madlener, wirbelt die Farben auf und stiftet ein „dionysisches“ Chaos wie am Ursprung der Schöpfung. Was zunächst wie ein Zerstörungswerk anmutet, beinhaltet das Potential zu einer neuen Ordnung und Harmonie. Aber die Bilder bleiben bewusst prekär wie das Leben selbst. Auf der Ebene der Motivwahl sind die jüngsten Werke bestimmt von der Auseinandersetzung mit der Thematik von Krieg und Konflikt. Vorherrschend sind die Traumata des Irak-Krieges und die Tragik der anhaltenden Kämpfe in Syrien, denen Jörg Madlener schockierend ästhetische, verstörend schöne Werkserien gewidmet hat. Aus der schöpferischen Auseinandersetzung mit den vordringlichsten Herausforderungen unserer Gegenwart und der Weltpolitik sind Werke von eigener ästhetischer Geltung hervorgegangen.

Der Betrachter wird zum Zeugen des Ringens des Künstlers nicht nur um eine vertretbare humanitäre und gesellschaftspolitische Position, sondern überdies auch um die jeweils gültige Bildgestalt. Das produktive Spannungsmoment der Arbeiten ist nicht nur ein prägendes Thema (Krieg, Kampf und Leid), sondern hat unmittelbar Eingang gefunden in die künstlerische Gestaltungsweise selbst: Die Polaritäten sind spannungsvoll in der Schwebe gehalten zwischen Figur und Grund, bestimmen die Relation von Umrisszeichnung und Farbe und sie entstehen zwischen Figuration und Abstraktion. Die von Auflösung bedrohten Gesichter und Gesichte (Visionen) der Seherin Kassandra bilden eine weitere faszinierende Werkgruppe und spiegeln die Haltung eines jeden engagierten Künstlers zwischen Beobachtung und Analyse der Welt und gleichzeitiger Selbstreflexion wider. Jörg Madleners Malerei ließe sich etwa mit der souveränen Arbeitsweise eines Francis Bacon oder Cy Twombly vergleichen. Die meist großen Formate saugen die Betrachter ein in ihre Farbräume und sorgen dafür, dass wir uns ihrem Darstellungsgehalt nicht ohne Weiteres entziehen können und wollen. In der einzigartigen Umgebung des Brüsseler Akademiegebäudes entfalten sie in ihrem Zusammenspiel eine berückende Gesamtwirkung.

Dr. Olaf Mückain, Wissenschaftlicher Leiter der Museen Worms

Geschlossene Vernissage nach Anmeldung am Freitag, 17. Juli um 17:30 Uhr. Die Begrüßung erfolgt durch Sascha Kaiser, Geschäftsführer Nibelungen-Festspiele Worms. Eine kurze Einführung in das Werk des Künstlers gibt Dr. Olaf Mückain, Direktor des Museums Heylshof.